Wer in der Schweiz zur Mittelschicht gehört, hat jahrzehntelang gearbeitet, Beiträge an AHV und Pensionskasse geleistet – und geht davon aus, im Alter zumindest annähernd seinen gewohnten Lebensstandard halten zu können. Die Realität sieht ernüchternd aus: Die Rentenlücke ist für den Mittelstand grösser geworden, und viele merken das erst kurz vor der Pensionierung.
Was das System verspricht – und was es liefert
Die Bundesverfassung hält fest, dass AHV und Pensionskasse zusammen den gewohnten Lebensstandard sichern sollen. In der Praxis orientiert man sich an einer Ersatzquote von 60% des letzten Lohnes. Doch dieses Ziel ist für viele Mittelständlerinnen und Mittelständler heute kaum mehr erreichbar. Laut Studien liegt die Ersatzquote bei einem Jahreseinkommen von 100'000 Franken derzeit bei rund 52%. Im Jahr 2002 betrug dieser Wert noch 62%. Bei einem Einkommen von 150'000 Franken pro Jahr sinkt die Quote auf rund 44%. Selbst wenn man 60% erreicht: Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass man im Alter effektiv 80-90% des letzten Einkommens benötigt, um den bisherigen Lebensstandard zu erhalten. Die Lücke ist also in jedem Fall real.
Warum die Pensionskassenrenten gesunken sind
Der Hauptgrund für die wachsende Vorsorgelücke liegt bei der zweiten Säule. Die Pensionskassenrenten sind seit 2002 um rund 40% gesunken. Ursache sind die über viele Jahre tiefen Zinsen sowie die steigende Lebenserwartung: Viele Vorsorgeeinrichtungen haben die sogenannten Umwandlungssätze – also den Prozentsatz, mit dem das angesparte Kapital in eine jährliche Rente umgerechnet wird – deutlich gesenkt. Die AHV-Renten sind zwar mit der Preis- und Lohnentwicklung mitgewachsen und wurden zuletzt per 1. Januar 2025 um 2,9% erhöht – die Maximalrente beträgt seither 2'520 Franken pro Monat. Die AHV allein kann die Lücke jedoch nicht schliessen.
Was die Mittelschicht besonders trifft
Zur Schweizer Mittelschicht gehören rund 60% der Bevölkerung – konkret wer monatlich zwischen rund 5'000 und 10'600 Franken brutto verdient. Tiefe Einkommen unter 50'000 Franken pro Jahr kommen noch auf Ersatzquoten von rund 63%, weil die AHV-Rente in diesem Segment relativ stärker ins Gewicht fällt. Wer hingegen das typische Mittelstandseinkommen von 80'000 bis 120'000 Franken verdient, liegt deutlich unter der angepeilten Marke. Hinzu kommen häufige Faktoren wie Erwerbsunterbrüche, Teilzeitarbeit oder Beitragslücken in der Pensionskasse, die die Situation weiter verschlechtern können.
Was sich tun lässt
Die dritte Säule (Säule 3a) bleibt das wichtigste Instrument, um die Vorsorgelücke zu schliessen. 2026 besteht neu die Möglichkeit, vergangene Beitragslücken in der Säule 3a nachträglich aufzufüllen – ein wertvoller Hebel für alle, die in früheren Jahren nicht den maximalen Beitrag ausgeschöpft haben. Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse können die Rente spürbar verbessern und sind ebenfalls steuerlich abzugsfähig. Wichtig: Die eigene Situation frühzeitig analysieren, denn Massnahmen entfalten ihre Wirkung umso besser, je früher sie ergriffen werden.
Fazit
Die Rentenlücke betrifft nicht nur Geringverdienende. Wer heute zum Mittelstand gehört, sollte nicht darauf vertrauen, dass AHV und Pensionskasse ausreichen werden. Eine frühzeitige, ganzheitliche Vorsorgeplanung ist kein Luxus – sie ist notwendig, um den Ruhestand zu gestalten, den man sich vorstellt.
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